Vorsicht! Baby vorm Bildschirm
28. Juli 2010 von JanineL
Der Alltag mit Kleinkindern kann ganz schön anstrengend sein. Warum ihnen dann nicht einfach mal den Fernseher anschalten und für ein paar Minuten die Ruhe genießen? Das Baby wird mit Sicherheit gebannt vor dem Flimmerkasten sitzen, und der passende Kinder-Kanal oder eine altersgerechte DVD erzeugt bei den Eltern das gute Gewissen, dass ihr Nachwuchs mit fröhlich bunten und gewaltlosen Inhalten gefüttert wird.
Wertvolle Minuten zum Kochen oder für ein kurzes Nickerchen! Aber profitieren Babys wirklich davon, bereits in frühen Jahren fernzusehen? Umfragen haben ergeben, dass schon jedes fünfte einjährige Kind regelmäßig vorm TV sitzt und dieser Prozentsatz bei den Dreijährigen sogar auf 90% steigt. Ist die Sesamstraße förderlich für die Bildung, oder macht Fernsehen eher „dick & dumm“, wie so mancher strenger Erzieher behaupten mag?
Mehr Neugier, weniger Konsum
Nun, ganz unrecht hat ein solcher nicht, denn die Rechnung lässt sich im Prinzip simpel aufstellen: Wer lange vor dem Fernseher sitzt, bewegt sich entsprechend weniger. Und wer sich wenig bewegt, nimmt zwangsläufig mehr zu. Hinsichtlich ernährungstechnischer Aspekte, sollten die Kleinen insofern nur mäßig der Berieselung aus dem TV ausgesetzt werden, wenn den Eltern der Body-Maß-Index und die Gesundheit ihres Nachwuchses am Herzen liegen. Im Gegenzug allerdings finden sich Belege dafür, dass gut recherchierte und bedarfsgerecht produzierte Kinderprogramme das Kurzzeitgedächtnis und sogar die Lesefähigkeiten von Kindern ab dem Alter von drei Jahren trainieren können. ‚Die Sendung mit der Maus‘ beispielsweise bringt Kindern zudem bei, wie man Antworten auf Fragen finden kann und hat dadurch schon so manchen Forscher herangezogen und manches Elternteil ebenfalls gespannt bis zum Schluss zuhören lassen. Besonders empfehlenswert ist es daher in der Regel, wenn die TV-Sendung für das Kind mehr die natürliche Neugier fördert und weniger passiven Konsum.
Nicht unter Zwei
Als Faustregel sollte allerdings gelten: Weder Kleinkind noch Baby profitieren vom TV. Psychologen aus den USA haben nicht nur widerlegt, dass die ‚Teletubbies‘ Babys Sprechen beibringen können. Das Problem des Neugeborenen vorm Fernseher wird insbesondere dann brisant, wenn DVDs für Kinder explizit damit werben, dass sie gut für die Entwicklung des Gehirns seien. Also Vorsicht beim Einkauf! Denn keine einzige Forschung hat bislang belegen können, dass Fernsehen für Kinder unter zwei Jahren von irgendeinem gearteten Nutzen ist. Im Gegenteil haben Forscher aus Seattle eine Studie vorgelegt, die argumentiert, dass der TV sowohl sprachliche Fähigkeiten, als auch die Gehirnleistungen der Babys schädige. Das mag an der Reizüberflutung liegen, die das Gehirn des Kleinkindes überfordert. Aber auch daran, dass die wichtige Interaktion mit den Eltern zu kurz kommt.

